“Die Tyrannei des Schmetterlings” von Frank Schätzing

Wie einige von euch sicherlich wissen, bin ich eine begeisterte Leserin von Frank Schätzings Büchern. Ende April erschien sein neuester Science-Fiction Roman “Die Tyrannei des Schmetterlings” bei Kiepenheuer & Witsch. Ich bedanke mich bei dem Verlag herzlich für das Rezensionsexemplar.

Worum geht’s? Undersheriff Luther Opoku und sein Team werden in Sierra Nevada zu einer weiblichen Leiche gerufen. Für Luther steht fest, dass es sich hierbei um Mord handelt und Hinweise führen ihn und sein Team zu einer geheimen Forschungsanlage des Unternehmen Nordvisk Inc., das sich mit der Erforschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz befasst. Die Suche nach dem Mörder verwickelt Luther in eine große Verschwörung und schon bald wird ihm klar, dass sein Leben, so wie er es kannte, von etwas Unvorstellbarem bedroht wird.

Wie auch schon in anderen Romanen von Schätzing, beginnt dieses Buch mit einer Art Epilog, der schon ab der ersten Seite für mächtig Spannung sorgt. Und auch sprachlich bieten diese ersten Seiten dem Leser wirklich etwas Großartiges. Schätzing bildet wunderbare Sätze und verleiht seinem Buch damit einen ganz besonderen Charakter, den ich gar nicht richtig in Worte verpacken kann. Doch so sehr mir diese Sprache auf den ersten zweihundert Seiten sehr gut gefallen hat, für so anstrengend habe ich sie im weiteren Verlauf der Geschichte empfunden. In einigen Abschnitten lenkten mich all diese ausschmückenden Adjektive zu sehr von den eigentlichen Geschehnissen ab, an anderen konnte ich den Gedankengängen nicht mehr richtig folgen. Teilweise wirkten die Worte zwar sehr geistreich, aber wenn ich mir genauer darüber Gedanken gemacht habe, wusste ich nicht mehr, was all das eigentlich zum Ausdruck bringen soll. Mit der Spannung verlief es ähnlich. Anfangs noch voller Spannung auf die Entwicklung des Szenarios und die Frage nach dem Bösen, stellte sich für mich immer mehr heraus, dass die Story kein neues, großes Meisterwerk mit unglaublichem Ideenreichtum sein wird, sondern einfach nur ein weiteres Standard-Szenario, wenn Menschen sich über K.I.s und deren Auswirkungen Gedanken machen. Das Thema von künstlicher Intelligenz und damit verbundene mögliche Gefahren sind in der Welt der Bücher und Filme nichts Neues. Daher machte sich in mir – trotz der eigentlich guten Story – eine gewisse Enttäuschung breit. Auch wenn einige Elemente in Schätzings Buch zumindest in Zusammenhang mit K.I.s neu sind und mir auch an sich gefallen hat, welche Zukunft Schätzing sich hier ausgedacht hat, habe ich insgesamt doch mehr erwartet. Schon öfters habe ich erwähnt, dass mich vor allem diese raue Grausamkeit in Schätzings Büchern, die selbst vor Hauptcharakteren keinen Halt macht, besonders begeistern konnte. Hier findet sich davon wenig wieder.  Doch die Spannung blieb nicht komplett weg. Zwischendurch gab es durchaus spannende Szenen, die jedoch eben noch etwas mehr Chaos mit sich hätten bringen können. Und obwohl ich in einigen Dingen enttäuscht bin, hat mir das Buch insgesamt gefallen. Besonders das Ende fand ich sehr interessant gestaltet und auch der Gedankenanstoß über mögliche K.I. Zukunfts-Szenarien ist, trotz eines nicht ganz neuen Themas, immer wieder interessant. Und gerade jetzt, in der Zeit von Smart-Homes, mit Smart Speaker wie Amazon Echo, neuartigen Robotern und der immer weiterschreitenden Wissenschaft, ist solch ein Gedankenanstoß umso wichtiger.

Die Antwort auf die Frage nach dem Bösewicht war in meinen Augen übrigens sehr vorhersehbar und erinnerte mich an diverse Filme. Schade, ich hätte mir wirklich eine große Überraschung gewünscht.

Fazit In Anbetracht an die Dynamik in Schätzings vorigen Romanen, war ich von diesem Buch hier etwas enttäuscht  Die Entwicklung des Szenarios stellt keine neue grandiose Idee dar und insgesamt hätte ich mir einfach mehr als nur einen großartigen, wenn auch anstrengenden Sprachstil erwartet. Dennoch würde ich trotz einiger Enttäuschungen insgesamt sagen, dass mir das Buch mit seinen Gedankenanstößen  und dem sehr interessanten Ende gefallen hat.


“Die Tyrannei des Schmetterlings” | Frank Schätzing | KiWi  | 728 Seiten

 

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5 Comments

  1. Janna | KeJas-BlogBuch

    Ich überlege immer wieder bei dem Buch, Titel & cover ziehen mich so sehr in seinen Bann! Muss aber gestehen, dass ich bislang nur “Der Schwarm” von ihm kenne. Von dem Roman war ich begeistert, aber wenn ich mir nun so deine Kritikpunkte durchlese – das alles auf die Vielzahl der Seiten rechnen …. hach … Mal sehen, vielleicht überkommt es mich ja mal …

    Wünsch dir einen mukkelig-sonnigen Sonntag!

  2. Ascari

    Hey 🙂

    Ich bin bei dem Buch noch immer nicht über die ersten 30 Seiten gekommen … Irgendwie haben sich permanent andere Bücher dazwischengeschoben *seufz*.

    Aber selbst nach diesen 30 Seiten weiß ich schon, was ihr meint, wenn es um die Sprache geht. Die ist wirklich gewöhnungsbedürftig, weswegen ich schon recht gespannt bin, wie es mir damit ergehen wird. Denn auf das Thema war ich wirklich neugierig …

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Pia

      Hey,
      Als ich das Buch damals begonnen habe, wurde es nach 2 Seiten wieder zugeschlagen und eine Woche nicht mehr angefasst. Am Anfang fand ich die Sprach eigentlich noch ganz gut, aber wie gesagt: Am Ende ist es sehr anstrengend! Sag Bescheid, wie es dir gefallen hat, wenn du fertig bist!
      Liebe Grüße, Pia

  3. Gabi

    Interessant, dass es mir mit dem Buch genau anders herum erging wie Dir. Ich hatte echte Probleme, in die ausschweifende und blumige Erzählung reinzukommen, weil mir auf den ersten ca. 150 Seiten einfach der Inhalt fehlte. Ich war nahe dran, das Buch wegzulegen. Danach wurde es besser, weil ich diese wilde Anhäufung von Adjektiven und Nebensätzen nicht mehr so ausgepräft empfand und ich dann von der Handlung so gepackt war, dass ich einfach weiterlesen musste.
    Ich gebe Dir recht, dass im Buch keine revolutionären neuen Ideen behandelt werden, sondern ein eigentlich gut bekanntes Thema samt der Gefahr, die darin steckt, aber auf eine spannende und unterhaltsame Weise erzählt wird. Das hat mir gereicht, um mich gut zu unterhalten und mir ein paar Denkanstöße zu geben. Wer mehr und neue Gedankenpfade erwartet hat, der war sicherlich ein bisschen enttäuscht.
    Liebe #Litnetzwerk-Grüße
    Gabi

    1. Pia

      Hallo Gabi,

      das Buch scheint in der Tat die Meinungen zu spalten. Es ist jetzt aber auch nicht so, dass ich es richtig schlecht fand,nur eben etwas enttäuscht. Aber so ist es ja auch irgendwie mit vielen Büchern. Man kann nicht alles mögen, selbst wenn der Lieblingsautor seine Hände mit im Spiel hat.

      Liebe Grüße,
      Pia

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